Blogbeitrag
31 | 08 | 2005
Über die Schädlichkeit von WLAN
Geschrieben von otaku42 um 8:18 Uhr
Über die Gesundheitsschädlichkeit von nicht-ionisierenden elektromagnetischen Feldern (wie sie bei Mobilfunk, WLAN und anderen auf Mikrowellenfunk basierenden Kommunikationsformen erzeugt werden) wird schon seit Jahren diskutiert. Diese Diskussionen gleiten regelmässig und mit zunehmender Häufigkeit in Bereiche der Esoterik ab, immer wieder auch unter Verweis auf Initiativen wie Bürgerwelle e.V.
Vor allem wird über die nicht-thermischen Effekte spekuliert, weil die thermischen Effekte und deren (zumindest bei Mobilfunk und WLAN vernachlässigbar geringes) Gefahrenpotential hinreichend bekannt sind. Es wird auf irgendwelche Studien hingewiesen, die diese nicht-thermischen Effekte von “Handystrahlen” oder “gepulsten EM-Strahlen” beweisen. Meist bringt der Diskussionspartner dann den Hinweis auf andere Studien, die keine Gefährdung durch nicht-thermische Effekte nachweisen konnten. Und irgendwann gelangt man an einen Punkt, an dem (vom Mobilfunkgegner) die Frage gestellt wird: “Kannst Du denn ausschliessen, dass elektromagnetische Felder/Strahlen keine nicht-thermischen Effekte hat, die eine Gefährdung für die menschliche Gesundheit darstellen könnten? Nein? Siehst Du!”
Heute habe ich im Heise-Forum einen sehr schönen Beitrag gelesen, der auf genau diesen Punkt eingeht:
Elementarer Lehrsatz der Erkenntnistheorie: In der Nachweispflicht steht immer derjenige, der die Existenz eines Zusammenhangs behauptet. Andersherum geht es nicht. In diesem Fall: Wer behauptet, dass es einen nichtthermischen Effekt durch nichtionisierende EM-Strahlung auf das Gehirn gebe (..oder Erdstrahlen, oder magische Kristalle..), der muss das nachweisen.
Kannst Du ausschließen, dass es Hexen und Drachen gibt? Ich meine, niemand hat jemals welche fotografiert, aber wenn ich lange genug suche, finde ich bestimmt jemanden, der behauptet, welche gesehen zu haben. Sollten wir also vorsorglich Drachenfangnetze in den Wäldern aufstellen? Oder meinst Du nicht auch, dass erstmal der Beweis für die Existenz von Hexen und Drachen erbracht werden sollte, bevor wir Maßnahmen gegen hypothetische Gefahren ergreifen, die von ihnen ausgehen könnten?
Tut mir leid, das funktioniert einfach nicht. Solange nicht der Beweis erbracht wurde, dass es Hexen und Drachen gibt, gibt es für uns keine Hexen und Drachen. Und solange nicht der Beweis erbracht wurde, dass nichtionisierende EM-Strahlung nichtthermische Effekte verursacht, solange verursacht sie keine nichtthermischen Effekte. So funktioniert Wissenschaft und Logik und nicht anders.
Auch das weitere Posting ist sehr lesenswert.
Insgesamt wäre es wünschenswert, wenn diese Diskussionen endlich wieder auf einer sachlichen Ebene geführt würden. Die Ängste der Menschen vor Unbekanntem sind verständlich. Aber beide Seiten sollten sich tunlichst davor hüten, diese Ängste für ihren eigenen Zweck zu instrumentalisieren.
Just my 0.02€.
Letzte Änderung am: 31.08.2005
Beitragsdetails
Kategorie » Vermischtes «
Kommentare und Pings sind geschlossen.



1
Christian Schröter 21.02.2006 um 16:09 Uhr
Also … der Verweis auf diesen hirnrissigen »Drachen- und Hexen«-Artikel ist unzulässig. Es geht nicht um den Beweis der Existenz einer Sache, sondern um den Nachweis der Unschädlichkeit von EM-Strahlung. Ich gehe davon aus, daß durch die EM-Felder in den Nervenbahnen schwächste Ströme induziert werden, die dann entsprechende Effekte durch diese »Dauerbefeuerung« zeitigen (der Effekt ist bei normalen elektrischen Kabeln hinlänglich bekannt und gehört zum Gymnasialwissen der Mittelstufe). Da Nervenbahnen ebenfalls Elektrizität leiten, ist diese Schlußfolgerung naheliegend, zumal von nicht wenigen Menschen deutliche Effekte beispielsweise durch WLANs wahrgenommen werden.
2
otaku42 06.03.2006 um 07:53 Uhr
Es mag ja sein, daß Du Dich der im “Hexen und Drachen”-Posting beschriebenen Meinung nicht anschliessen willst, aber das macht den Verweis als solches keineswegs unzulässig.
Bisher hat es weder den Nachweis gegeben, daß EM-Strahlung negative oder gar gesundheitsschädliche Auswirkungen hat, noch wurde das Gegenteil bewiesen. Du kannst natürlich von vielen Dingen ausgehen, das sei Dir unbenommen. Aber mein Artikel hier ruft ja gerade dazu auf, endlich den emotionalen Anteil aus dieser Diskussion rauszunehmen und das ganze wieder auf die sachliche Ebene zu heben. Ein “ich gehe davon aus” ist hierfür leider vollkommen ungeeignet.
Deine Argumentation im Schlußsatz ist aber das beste Beispiel dafür, warum eine Versachlichung hier so wichtig ist. Genau Dein Argument ist eines der am häufigsten gebrachten, mit denen eine Seite belegen möchte, daß EM-Strahlung sehr wohl eine negative Wirkung auf Menschen hat. Und meist wird von der anderen Seite reflexartig auf die Menschen verwiesen, die schon beim blossen Anblick eines bislang inaktiven Sendemasten Kopfschmerzen, Unwohlsein und andere negative Effekte verspüren wollen. Et voila schon sind wir wieder in der gleichen Sackgasse wie immer, bei der jede Seite auf den “Gegner” zeigt und losschreit “Ja, nu guck mal, wie unsachlich der die Diskussion führt!”
Nochmal: beide Seiten sollten endlich die emotionale Komponente aus diesem Thema rausnehmen und eine ernsthafte, wissenschaftliche und auf nachprüfbaren Fakten basierende Diskussion führen. Alles andere ist Kinderkacke.
3
Julius 20.09.2006 um 20:38 Uhr
Ich bin zwar etwas spät mit meinem Beitrag, aber ich habe eben erst hier her gefunden.
Ich gebe dir mit deinem Statement vollkommen Recht. Diese Diskussion ist sehr mühsam, gerade wegen der vielen Emotionen. Ich werde oftmals ausgebootet mit Argumenten wie “Ich habe da letztens eine Doku im Fernsehen gesehen.. da haben sie gezeigt, dass es Auswirkungen gibt…”. Na super und wie soll ich das nun nachvollziehen? Es ist Samstag Abend, wir haben schon zwei Bier getrunken und natürlich weiss keiner mehr, wann wie wo die Sendung kam und Internet ist auch nicht in der Nähe. Ich finde diese vielen Emotionen, die ganz klar von Angst geprägt sind sehr unfair denen gegenüber, die sachlich an die Sache heran gehen.
Und das witzige ist, als ich dann das Thema Handys auf den Tisch gelegt habe, war Ruhe. Vorallem als ich erfuhr, das so manch einer mit eingeschaltetem Mobiltelefon neber dem Kopfkissen die Nacht verbringt. Ich selbst zähle mich nicht dazu, denn ich gehe sachlich an die Sache heran und habe anhand der Gebrauchsanweisung am ersten Tag meines Handybesitzes festgestellt, dass die Weckfunktion auch funktioniert, wenn das Gerät ausgeschaltet wurde. So ist das Leben…